[x1000info-hh] Castor 08: Langzeitgewahrsam von Cecile
Jürgen Fahrenkrug
jfahrenkrug@gmx.de
Tue Nov 18 20:00:02 2008
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C=E9cile Lecomte ist vom 6.11. - 9.11. drei Tage in ein =
Langzeitgewahrsam verbracht worden.
Offensichtlich hat sich die Politische Polizei in L=FCneburg Cecile =
ausgeguckt und =FCbezieht sie schon seit Monaten mit obskuren Verfahren. =
So wurde sie erst vor kurzem wegen 5 Euro Bu=DFgeld in Erzwingunshaft =
genommen. Das Langzeitgewahrsam
w=E4hrend des Castors ist der letzte H=F6hepunkt dieser peinlichen =
Vorgehensweise der Staatmacht. Um dies =F6ffentlichen zu machen, sind =
"Anti-Repression- und Anti-Polizei-Stalking-Aktionstage" in L=FCneburg =
vom 4.-9. Dezember 2008 geplant.
-------------------------------------------------------------------
Es folgt die Stellungahme von C=E9cile Lecomte aus dem polizeilichen =
Langzeitgewahrsam in Braunschweig, Polizeipr=E4sidium und =
Bereitschaftspolizei, Friedrich-Voigtl=E4nder Str. 09.11.2008 gegen =
12:00=20
Klettern gef=E4hrdet den Atomstaat - Menschenverachtende Haftbedingungen
. Atomstaat hei=DFt Polizeistaat
Seit Donnerstag, den 6. November, befinde ich mich in polizeilichem =
Gewahrsam.=20
Die Haft wurde von der Polizeidirektion L=FCneburg beantragt und durch =
Landesgerichte best=E4tigt. Ich habe mich am Donnerstag Vormittag an =
einer =F6ffentlichkeitswirksamen Kletteraktion von Robin Wood beteiligt=20
Aus Protest gegen den bevorstehenden Castor Transport ins Wendland sind =
wir auf eine Br=FCcke am Elbe-Seiten-Kanal geklettert und haben =
Transparente entrollt. Die anderen AktivistInnen wurden gleich nach der =
Personalien-Feststellung entlassen. Nur ich blieb in Gewahrsam.=20
Nein, es wird mir nichts vorgeworfen - es ist eine rein pr=E4ventive =
Ma=DFnahme - zur Gefahren=ADabwehr. Der Atomstaat hat Angst vorm =
Eichh=F6rnchen. Ich bin von der Haft =E4u=DFerst angeschlagen - es ist =
mir trotzdem enorm wichtig meine Gef=FChle bekannt zu machen. Und eines =
ist sicher - Ich lasse mich nicht unterkriegen. Es lebe der Widerstand! =
Gemeinsam sind wir stark!
=20
. Zum politischen Hintergrund meiner Verhaftung
Klettern ist f=FCr mich Leidenschaft und politische =
Lieblingsaktionsform. Daher mein Spitzname: Eichh=F6rnchen. Es ist eine =
gewaltfreie Aktionsform die besonders effektiv sein kann, um =
Aufmerksamkeit zu erregen, um aufzur=FCtteln. Gegen Atomtransporte habe =
ich bereits mehrfach in luftiger H=F6he protestiert.=20
Doch solche pfiffigen Aktionen machen der Gegenseite keinen Gefallen! =
Sie wei=DF nicht mit dieser Art des Widerstandes umzugehen und sieht =
eine Gefahr =FCberall. Wobei, wenn Baum klettern von der Polizei und den =
Gerichten als so gef=E4hrlich eingestuft wird, dann sind viele Menschen =
gef=E4hrlich. Denn luftiger Protest gegen den Castor stellt h=F6chstens =
eine Ordnungswidrigkeit dar - genauso wie die Teilnahme an einer =
Sitzblockade! Also Frage ich mich, warum zum Beispiel die Gr=FCnen =
Promis, die ihre Teilnahme an Sitzblockaden gegen den Castortransport =
=F6ffentlich angek=FCndigt haben, nicht ebenfalls zur Gefahrenabwehr in =
Haft genommen werden.=20
Aber nein, es geht nicht um Gefahrenabwehr- ansonsten w=FCrde der =
Castortransport gar nicht erst losfahren, es w=FCrde keine Atomkraft =
geben, gehe es tats=E4chlich um das Recht auf Sicherheit, k=F6rperliche =
Unversehrtheit. Nein, es geht schlicht um die Kriminalisierung des =
Widerstandes.=20
Um die Kriminalisierung und um die Bestrafung von politischem =
Engagement. Die Gefahrenprognose, worauf die Anordnung von =
Langzeitgewahrsam (oder eher"Schutzhaft", wie ich in einem Soli-Fax an =
mich lesen konnte) beruht, basiert auf Tatsachenbehauptungen durch die =
Polizei. Ein Blick in mein BZR (Bundeszentralregister) beweist es. Nein, =
ich bin nicht vorbestraft.=20
Aber Polizei und Gerichte nutzen diese angeblich pr=E4ventive Ma=DFnahme =
gegen mich repressiv - ich soll daf=FCr bestraft werden, dass ich zu =
meinem politischen Handeln stehe, dass ich mich mal weigere Bu=DFgelder =
zu zahlen und in Erzwingungshaft gehe- wie neulich die 24 Stunden lang =
in der JVA L=FCneburg wegen 5 Euro! Die Haft ist also eine reine =
Bestrafung.=20
Allein die theatralische Inszenierung bei meiner Anh=F6rung vor Gericht =
zeigt es: Ein meiner Ansicht nach befangener Richter, der seinen =
Beschluss gegen die "renitente" Atomkraft Gegnerin eh bereits zuvor =
verfasst hat, Polizeidirektor und weitere Mitglieder der =
Polizeidirektion, die scheinbar nichts wichtigeres zu tun haben, als =
sich um=B4s Baumklettern zu k=FCmmern. Denn ich denke nicht, das der =
Polizeipr=E4sident bei jeder Anh=F6rung von AktivistInnen vor Gericht =
mitreden will. Polizeidirektor Br=E4uer war das mit seinen drei goldenen =
Sternchen.
=20
. Die Menschenw=FCrde ist unantastbar.... aber nicht wenn der Castor =
kommt=20
Ich bin Repressionsma=DFnahmen der Beh=F6rden gewohnt und befinde mich =
nicht zum ersten mal in Gewahrsam. Aber ich bin ein Mensch - und =
irgendwann ist es einfach zu viel - zu viel Stressbelastung. Die ersten =
24 Stunden habe ich trotz schlechter Haftbedingungen noch gut =
ausgehalten. Ich war zun=E4chst in L=FCneburg in einer Zelle und =
unterwegs zwischen den Gerichten... Freitag Nacht wurde ich zur =
Langzeitgewahrsam=ADstelle des Polizeipr=E4sidiums nach Braunschweig =
verlegt. Und da frage ich mich wie es m=F6glich ist, das mit Menschen so =
unw=FCrdig und verachtendumgegangen wird.=20
Schon auf der Fahrt nach Braunschweig bin ich zusammengebrochen und in =
einen Krankenwagen verlegt worden. Doch der Polizeiarzt wurde nicht mal =
t=E4tig. Eigentlich h=E4tte er erkennen m=FCssen, das ich nicht mehr =
Gewahrsamf=E4hig war, weil einfach psychologisch am Ende. Ich halte es =
f=FCr unterlassene Hilfeleistung.=20
Aber ich wurde trotzdem in Braunschweig eingeliefert und wurde von der =
Nachtschicht extrem unfreundlich aufgenommen, wie ein Schwerverbrecher =
behandelt. Ich wurde angeschrien, obwohl ich die ganze Zeit schon in =
Tr=E4nen war. Ich wurde mit ausl=E4nderfeindlichen Spr=FCchen beleidigt=20
Und die Haftbedingungen sind deutlichschlechter als im Knast!! Die =
Einzelzelle zwar gro=DFr=E4umig aber ohne Klo, ohne richtiges Fenster. =
Schlafentzug durch Verweigerung durch die Beamten das Licht =
auszuschalten, Hofgang in Handfessel auf dem Gel=E4nde der Polizei =
zwischen Autogaragen ....Zum Gl=FCck wird er Widerstand gegen die =
Atomindustrie von vielen solidarischen Menschen zusammen getragen.=20
. Solidarit=E4t hilft siegen- Widerstand l=E4sst sich nicht klein =
kriegen!
Schon in L=FCneburg fand eine Soli-Kundgebung f=FCr mich vor der =
Polizeiwache statt. Das habe ich mitbekommen. Ebenso die Kundgebung am =
Samstagabend in Braunschweig. Dazwischen war es extrem schwer =
auszuhalten - aber Anw=E4lte haben sich um mich gek=FCmmert und das =
sch=E4tze ich sehr: Rechtsbeschwerde, Anzeige gegen die Polizei wegen =
Freiheitsberaubung und N=F6tigung. Die Anw=E4ltin konnte durchsetzen, =
das ich Besuch bekomme, dass das Licht nachtsausgemacht wird. So wurde =
ich von einer =C4rztin besucht, die mir menschliche W=E4rme, =
S=FC=DFigkeiten und Zeitungen brachte.=20
Ich habe mich dar=FCber tierisch gefreut, als ich erfahren habe, das der =
Castor stundenlang an der Grenze stand - auch wenn es f=FCr mich einen =
l=E4ngeren Aufenthalt im Knast bedeutet. Denn in seinem Beschluss =
erw=E4hnte das Gericht, um meine Gef=E4hrlichkeit zu attestieren, dass =
ich der Presse gegen=FCber mich als " Sand im Getriebe und Teil der =
Bewegung" bezeichne.- Ja! Das bin ich, das sind alle widerst=E4ndigen =
Menschen! Und das ist unsere St=E4rke!! Das ist was mir die Kraft gibt, =
trotz menschenunw=FCrdiger Bedingungen auszuhalten. Ich wei=DF wof=FCr =
ich stehe - wir wissen alle wof=FCr wir stehen.=20
Weil mein kletternder Widerstand bef=FCrchtet wird, sperrt man mich ein. =
Aber genau diesen Widerstand, die Menschen, die sich so zur Wehr =
setzten, zeigen dass unser Widerstand nicht klein zu kriegen ist. Danke =
an alle AktivistInnen f=FCr eure Solidarit=E4t. Nat=FCrlich w=E4re ich =
z.B. bei der Demo am Samstag gerne dabei gewesen. Ich habe geh=F6rt, =
dass viele Menschen, sehr viele, dabei waren. Freut mich.=20
Freut mich auch, das der Castor sich mit gro=DFer Verz=F6gerung seinem =
Ziel n=E4hert. Ich bin ersch=F6pft, die Haft ist extrem belastend und =
ich w=FCrde am Besten drau=DFen sein, im Baum schlafen, Menschen =
umarmen, meinen Protest, meine Meinung frei =E4u=DFern. Ich versuche so =
gut wie m=F6glich durchzuhalten. Wir sehen uns!=20
Ich w=FCnsche mir, dass dieser Brief viele Menschen, die =
=D6ffentlichkeit erreicht!
Eichh=F6rnchen C=E9cile
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Zelle und unterwegs zwischen den Gerichten... Freitag Nacht wurde ich =
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w=FCnsche mir, dass dieser Brief viele Menschen, die =D6ffentlichkeit=20
erreicht!<o:p></o:p></SPAN></P>
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