[x1000info-hh] Erzwingungshaft wegen Castorblockade in HH

Jürgen Fahrenkrug JFahrenkrug@gmx.de
Wed Jun 27 17:00:02 2007


28.- 30.6.2007
Hamburger Atomkraftgegner geht in Erzwingungshaft
Zeigt eure Solidarität!

Immer mehr AtomkraftgegnerInnen gehen den Weg des Zivilen Ungehorsams auch
vor Gericht konsequent weiter. Sie zahlen die zur Abschreckungen verhängten
Bußgeldbescheide nicht und gehen für  ihre politische Überzeugung, dass sie
nichts unrechtes getan haben, wenn sie gewaltfrei Castortransporte
blockieren, auch in den Knast.

Aktuell ist dies in Hamburg Dietrich Gerstner von der Daikonischen
Basisgemeinschaft "Brot und Rosen". Er wird vom 28. bis 30 Juni seine
Erzingungshaft antreten, da er nicht bereit ist, das vom Staat auferlegte
Bußgeld zu zahlen.

Wir wollen Dietrich am Donnerstag (28.6.07) früh um 8 Uhr Dietrich
verabschieden.
Am Samstag (30.6.07) wiederum um 8 Uhr wollen wir ihn dann wieder in
Freiheit begrüßen und eine (angemeldete) Kundgebung und Demo um den Knast
machen.

Zu beidem seid Ihr herzlich eingeladen! Wer Zeit hat möge bitte kommen!!!
Diese besonders entschlossene Form des Zivilen Ungehorsams sollte unsere
Unterstützung bekommen. Viele Zeichen der Solidarität machen Mut und geben
Kraft, das ganze gut zu überstehen und zu verarbeiten.


Ihr könnt Dietrich auch einen Brief oder Postkarte in den Knast schicken.
Hier die Adresse:

Dietrich Gerstner
(vom 28. - 30.6.07)
Untersuchungsgefängnis
Holstenglacis 3
20355 Hamburg

Bis bald
Eure X-tausendmal quer - Regionalgruppe Hamburg


XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

Aber lest hier Dietrichs eigenen Beweggründe:

Dietrich Gerstner
Fabriciusstraße 54
22177 Hamburg


Hamburg, 25. Juni 2007

„Unsere Probleme rühren daher, dass wir dieses verfilzte, verrottete System
akzeptieren.“
Dorothy Day (*8.11.1897 - *29.11.1980, Begründerin der Catholic Worker
Bewegung)

Liebe Freundinnen und Freunde,

in der Nacht vom 8. auf den 9.11.2004 nahm ich gemeinsam mit mehreren
hundert Menschen in Langendorf im Wendland an einer gewaltfreien
Sitzblockade der Kampagne ‚X-tausendmal quer‘ teil. Wir demonstrierten so
gegen einen Transport von 12 Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll
ins oberirdische Zwischenlager Gorleben. Am frühen Morgen des 9.11. räumte
die Polizei unsere Straßenblockade und erstattete Anzeige gegen uns wegen
„Teilnahme an einer verbotenen Versammlung“. Gegen den folgenden
Bußgeldbescheid über 51,- € legte ich zusammen mit einigen Mitangeklagten
Widerspruch ein. Am 19.4.2006 – also mehr als 1 ½ Jahre nach der Aktion –
kam es zu einem Prozess vor dem Amtsgericht Lüneburg, bei dem ich, trotz
aller vermeintlichen Sympathie des Gerichts mit meinen Motiven, wiederum zur
Bezahlung eines Bußgeldes verurteilt wurde. Die Strafe wurde nun auf 100,- €
plus Gerichtskosten erhöht.
Ich halte mein Verhalten für legitim, auch wenn es in den Augen der
herrschenden Gesetze nicht legal ist – aber die Geschichte zeigt uns, dass
auch Gesetze geändert werden können.
Wir wurden am 9.11. von der Polizei geräumt - ich werde meinen Kindern eines
Tages nicht sagen können, ich hätte nichts gewusst. Es liegt an uns, die
Veränderung (mit) herbei zu führen, die wir fordern.

Die Atomkraftnutzung ist in meinen Augen ein unkontrollierbares
Sicherheitsrisiko. Sie ist zu teuer, friedensgefährdend und völlig
ungeeignet zur Lösung der Klimaprobleme. Die Zukunft muss daher heißen:
Ausbau der regenerativen Energien, Energieeinsparung, Verbesserung der
Energieeffizienz und dezentrale Energieversorgung! Jeder Tag
Atomenergienutzung ist ein Tag zuviel!
Mit unserem Gang vor Gericht und nun auch ins Gefängnis versuchen wir,
diesen Konflikt auf allen Ebenen auszutragen im Glauben, dass so, von unten
her, gesellschaftliche Veränderungen herbei geführt werden können.

Vom 28. – 30. Juni 2007 gehe ich nun für zwei Tage in Erzwingungshaft. Ich
werde in der Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis in Hamburg „einsitzen“.
Ich bin froh, mich in Freiheit für diese Konsequenz entscheiden zu können
und darin von meiner Lebensgemeinschaft „Brot & Rosen“ und Familie
unterstützt zu werden. Angesichts einer drohenden Renaissance der
Atomindustrie will ich damit ein Zeichen setzen für einen wirklichen Wandel
in der Energiefrage. Dafür übernehme ich politisch, als Kunde (bei „Brot &
Rosen“ sind wir schon vor über 6 Jahren auf „Naturstrom“ umgestiegen) und
persönlich Verantwortung.

In diesem Sinne grüße ich Euch herzlich mit einem zweiten Zitat:
„Bezweifle nie, dass eine kleine Gruppe bedachter und engagierter Menschen
die Welt verändern kann; tatsächlich hat nichts anderes jemals funktioniert.
“  (Margaret Mead)

Möge dies auch Euch ermutigen,
Schalom / Salaam,

Euer Dietrich